Ilê Angola

Verein für CAPOEIRA ANGOLA in Halle

GCFA Filhos de Angola, Halle (Saale)

Die Capoeira-Gruppe in Halle gehört zur internationalen Gruppe GCFA (= Grupo de Capoeira Filhos de Angola), unter der Leitung von Mestre Laércio, gegründet 1984 in Salvador da Bahia, Brasilien.

Laércio kommt aus Salvador, lebt und lehrt heute in Berlin und betreut über 20 Gruppen in ganz Europa.

Capoeira Angola

Die afrobrasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Körperbeherrschung, Tanz und Spiel mit Rhythmus, Musik und Gesang. Sie ist eine Art Zwiegespräch zwischen zwei SpielerInnen - nicht mit Worten, sondern mit Bewegungen des Angriffs, der Verteidigung und der Täuschung. 
In ihr entwickelt sich eine Strategie ähnlich eines Schachspiels, man lockt und täuscht, gibt Finten und führt Scheinangriffe, hoch konzentriert und mit absoluter Körperbeherrschung. Die Musik fungiert als Bindeglied und Mittel, den/die MitspielerIn in den Flow eines Tanzes zu entführen und dann überraschend anzugreifen.
Die Capoeira ist eine intuitive Form des Körperausdrucks, ein Kampf verborgen in einem Tanz, sowohl Poesie als auch Widerstand, ein Spiel der Gegensätze jenseits von Leistungsdruck und Wettbewerb. 

Lehrende der Gruppe, Geschichte der Capoeira

Mestre Laércio, GCFA

Unser Mestre Laércio (Laércio dos Anjos Borges) ist 1966 geboren und begann 1978 Capoeira zu trainieren. Da seine Eltern mit dieser Entscheidung nicht glücklich waren, begann er sein Training heimlich und erfand immer neue Ausreden und Verabredungen, um in der Akademie von Mestre Caiçara (Schüler von Aberrê) trainieren zu können. 

Dort und bei den unzähligen Rodas in Salvador lernte er die großen Mestres kennen, die zu jener Zeit den größten und wichtigsten Einfluss auf die Capoeira hatten: Die Mestres Caiçara, Canjiquinha, Valdemar, Curé, Fernanito, Boca Rica, Zacarias, João Grande, João Pequeno, Papo Amarelo, Boa Sete, Lua de Bóbó. 


Bald begann er, angeleitet von seinem Mestre Caiçara, selbst das Training zu geben und führte so dessen Lehren fort. 

In einer Roda lernte er Roberval kennen und die beiden freundeten sich an. Im Jahr 1984, zusammen mit Caboré, entschieden sie eine eigene Gruppe zu gründen und nannten sie “Filhos de Angola” zu Ehren von Mestre Pastinha. 


Als “Kinder Angolas” (= Filhos de Angola) setzten sie ihre Lehre bei den großen Mestres fort. Drei Jahre lang lebten und lernten sie mit Mestre João Pequeno, zwei Jahre mit Mestre Canjiquinha, eine gute Zeit zusammen mit Mestre Boca Rica und sie gingen jeden Sonntag zum Unterricht von Mestre João Grande im Forte Santo Antonio. 

Mit der Rückkehr von Mestre Moraes nach Salvador, und in einer Zeit, in der die Capoeira Angola kurz vor ihrem Ende stand, schlossen sie sich auf Bitten von Cobra Mansa der Gruppe GCAP von Moraes an und lernten mit dem Mestre viel über den kulturellen Wert und die musikalischen Wurzeln der Capoeira Angola. 

Bald darauf organisierten sie ihren ersten eigenen Trainingsraum und teilten ihn sich zwei Jahre lang mit M. Boca Rica.


Darüber hinaus begann Laércio eine Arbeit mit bedürftigen Kindern in den Randgebieten Salvadors mit dem Schwerpunkt auf der Wertschätzung der Wurzeln und Ursprünge der Capoeira Angola. Die edukative Arbeit mit Kindern war und ist auch über das Medium der Capoeira hinaus ein großes Anliegen Laércios. 


1993 kam er nach Europa und lebt und lehrt seitdem in Berlin. Weitere Gruppen in Deutschland, Frankreich, England, Italien, Spanien, Schweden, der Schweiz und Griechenland werden von ihm geführt und angeleitet, insgesamt ist er für mehr als 20 Gruppen verantwortlich.

Treinel Sereia, GCFA

"Ich begann im Jahr 2003 unter dem Trainer Bobby Gomes Reis in Halle mit der Capoeira Angola und habe hier 2005, zusammen mit anderen Gründungsmitgliedern, den ersten Capoeira-Verein in Halle ins Leben gerufen und als Vorstandsmitglied mitgestaltet.


Seit 2014 gebe ich Anfängertraining im Unisport und habe als Co-Trainerin auch regelmäßig Vereinstraining gegeben.

Seit 2015 bin ich lizensierte Übungsleiterin C des DOSB und bekam 2017 beim internationalen Jahrestreffen des Capoeiraverbands GCFA in Bristol offiziell den Titel 'Treinel/Professora' (= Trainerin/Lehrerin) verliehen.


Seit Anfang 2017 leite ich in Halle eine eigene Gruppe. Anfang November hat sich die Gruppe gemeinschaftlich als neuer Verein organisiert unter dem Namen Ilê Angola (= ein Heim/Zuhause für Angola)."

Geschichte & Philosophie

Die Capoeira ist wahrscheinlich im 16. oder 17. Jh. in Brasilien entstanden, also mehr als 400 Jahre alt. Erste schriftliche Belege findet man im 18. Jahrhundert. 


Entwickelt hat sie sich aus Kampftechniken des Widerstands der afrikanischen SklavInnen, die viele Elemente aus traditionellen afrikanischen Stammesriten ihrer Heimat, aus ihren Tänzen und Kämpfen in sie aufgenommen haben. Die Capoeira war ihr Kampf um Freiheit stellte sowohl ein Mittel zur körperlichen Befreiung dar als auch die Befreiung von geistiger und kultureller Unterdrückung.


Das Wort 'Capoeira' stammt von den Tupí-Guaraní, indigenen Ureinwohnern Brasiliens, deren Sprache bis zum 15. Jh. noch vorrangig gebraucht wurde; noch bevor Brasilien portugiesische Kolonie wurde und bevor für die Bestellung der riesigen Zuckerrohrplantagen Millionen von AfrikanerInnen verschleppt und als SklavInnen nach Brasilien eingekauft wurden.

Verschiedene Übersetzungen des Wortes bezeichnen immer einen versteckten Ort, eine verborgene Lichtung im tiefsten Wald, einen versteckten Unterschlupf, ein frisch gerodetes Stück Ackerland, das rundum von Pflanzen eingeschlossen und darum vor Blicken geschützt war - offen nur den Eingeweihten, unbekannt den Unterdrückern, die jegliche Form der Zusammenkünfte, jede Form der Ausübung kultureller Praktiken aufs Schärfste unter Strafe stellten.

Es bezeichnet einen geheimen Freiraum.


Das Wort ist also stark mit der Geschichte Brasiliens verbunden, der Entwicklung des Landes auf dem Rücken der Sklaverei und der Ausbeutung menschlicher Ressourcen. Und das ist die Ursprungsbedeutung der Capoeira in all ihrer Fülle: ein Befreiungskampf, ein Kampf der Selbstbehauptung, der Individualität und der Verteidigung von Gesundheit und Grundrechten, gegen jegliche Form der Versklavung, Unterdrückung, Bevormundung, Diskriminierung, Willkür und Ungerechtigkeit.

Internationaler und kultureller Austausch

Capoeira in Halle

Und was hat das mit Halle zu tun...?

Schon seit 2000 gibt es Capoeira in Halle. Im Jahr 2002 kam der Brasilianer Bobby Gomes Reis hierher, um die neu gegründete Unisportgruppe zu trainieren. Da die Nachfrage und Begeisterung groß war, entstand 2005 der erste Capoeira-Verein in der Saalestadt.

Mittlerweile kennen viele Kinder wie auch Erwachsene Capoeira aus Schul-AGs, Projekten oder durch Auftritte in der Stadtöffentlichkeit.


Ilê Angola e.V.

Der zweite Capoeira-Verein „Ilê Angola e.V.“ (Ilê = Haus, Heim, Refugium) besinnt sich wieder mehr auf die Fundamente der Capoeira als Kultur, der Capoeira als Philosophie, ihrer Ursprünge und Wurzeln in Afrika (vor allem Angola) und ist fest eingebettet in ein weltweites Netzwerk. 

Wir trainieren die Capoeira Angola im Sinne der alten Mestres und holen uns von ebendiesen so oft wie möglich Unterstützung und Inspiration. Dafür organisieren wir Workshops und Rodas, laden brasilianische LehrerInnen und MeisterInnen zu uns ein, bieten ein Begegnungszentrum für unterschiedliche Kulturen und Menschen, eine Anlaufstelle für Capoeiristas der Region und ganz Europa und den HallenserInnen ein Stück Brasilien in der eigenen Stadt. 


Die Vernetzung und Kooperationsprojekte sollen bundesweit wie auch innerhalb der Stadt bewegungsaffine, rhythmisch-interessierte, kulturhungrige und sprachbegeisterte Menschen miteinander verknüpfen. Und dann wollen wir natürlich auch mal nach Brasilien....

Internationales Netzwerk

Da die Capoeira-Gruppen sich untereinander sehr stark vernetzen und regelmäßig europaweit und auch international einladen, findet viel Austausch über Länder- und Sprachgrenzen hinaus statt. Die "Weltsprache“ der Capoeira ist das brasilianische Portugiesisch, das wir in Capoeira-Liedern singen und damit auch lernen und üben.


Die Besuche bei anderen Gruppen finden meist in gastfreundlichem, persönlichen Kontakt statt, Unterkunftsmöglichkeiten findet man meist privat und lernt so Land und Leute unmittelbar und unverfälscht kennen. Sprachbarrieren werden humorvoll umschifft. Wer kein Portugiesisch spricht, dem wird auf Englisch oder zur Not mit Händen und Füßen erklärt und geholfen.


Letztendlich wird jede,r Capoeirista früher oder später Portugiesisch lernen, das passiert ganz nebenbei und ohne Allüren oder Zwänge.


Wer Sprachen und das Reisen liebt, findet in der Welt der Capoeira das ideale Umfeld dafür!


Die Gruppe in Halle, unter der Leitung ihrer Trainerin, unterhält enge Kontakte zu vielen Gruppen weltweit.

In Deutschland, der Schweiz und Österreich, England, Polen, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Schweden, Finnland und Brasilien halten wir Kontakt zu befreundeten Gruppen, bei denen sich ein Besuch lohnt.

Deutsch-Brasilianischer Kulturaustausch

Neben Training und Musikunterricht...


... organisiert der Ilê Angola e.V. regelmäßig Veranstaltungen zur brasilianischen Kultur: Zusätzlich zu den traditionellen Capoeira-Rodas arbeiten wir mit TanzlehrerInnen zusammen (Forró, Samba, Samba-Reggae), organisieren thematische Filmabende, kochen typisch brasilianisch oder laden brasilianische MusikerInnen zu Live-Konzert oder Jam-Session. Dazu bekommt man in unserem Training einen leichten Zugang zur portugiesischen Sprache, wir üben und vertiefen das Gelernte und bieten für Interessierte selbst organisierte Sprachkurse.


Neben der Förderung der brasilianischen Kultur hier in Halle geht es uns darum, ein Begegnungszentrum für verschiedene Kulturen zu sein, mit Musik und Bewegung Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten zu afrikanischen Traditionen, Rhythmen und Tänzen zu schaffen und eine Brücke zu schlagen zu erfolgreicher und beiderseits bereichernder Integration.


Der Unterricht und das Training kann in Deutsch, Englisch oder Portugiesisch gegeben werden.

Jimdo

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